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EU-Gipfel dominiert Titelseiten der Presse

Die Ergebnisse des EU-Gipfels unter deutscher Präsidentschaft dominieren am Montag nicht nur die Titelseiten in Frankreich, sondern ragen auch durch die ihnen gewidmeten Seitenzahlen heraus (in LIBÉRATION z.B. allein 4 Seiten!). Das berichtet die Botschaft in Paris.
LE MONDE macht auf mit “Die Einigung über den ‘traité simplifié’ gibt der Europäischen Union Luft zurück.” LA CROIX titelt: “Europa sagt ja zur Zukunft”. L’HUMANITÉ titelt: “Mini-Vertrag - maximale Verwirrung”. Bei LIBÉRATION ist das Thema EU an den Rand der Titelseite gedrängt, während das Fernbleiben Ségolène Royals vom Conseil National der Sozialisten am Samstag im Mittelpunkt der Schlagzeilen steht (”Die Scheidung ist vollbracht”). LE PARISIEN macht auf mit: “Sarkozy bittet um Hilfe bei seinen Reformen” (dies betrifft in erster Linie die Universitätsreform).

Der EU-Gipfel und insbesondere seine Leitung von Bundeskanzlerin Angela Merkel habe ein positives Medienecho ausgelöst, schriebt die Botschaft. LE MONDE vergleicht den Gipfel etwa mit einem Theaterstück, an dessen Ende man sich bei der Bundeskanzlerin bedanken müsse. Sie habe am vergangenen Freitag erneut ihre Fähigkeiten als Verhandlungsführerin unter Beweis gestellt und mit ihrer Geduld und Bestimmtheit der EU aus der Krise verholfen (auch LIBÉRATION).

Allgemeiner Tenor ist auch, dass die Verbindung Deutschland-Frankreich eine zentrale Rolle gespielt habe (zum Deutsch-Französischen-Gespann ausdrücklich Europa-Staatssekretär Jouyet in einem Interview im FIGARO).Dabei ist der Inhalt für die deutsch-französische Zusammenarbeit vorteilhafter als die negierend formulierte Überschrift (”Le couple franco-allemand n’est plus un directoire”).
Allerdings sei Sarkozy nicht weit davon entfernt, sich als den eigentlichen Urheber der getroffenen Einigung zu verstehen (ebenfalls verbreitetes Urteil). Er habe Merkels Strategie i. Ü. hinsichtlich der Isolation Polens indirekt kritisiert, indem er sich dahingehend geäußert habe, dass es unmöglich gewesen sei, das größte osteuropäische Land nach weniger als 20 Jahren nach dem Berliner Mauerfall an die Seite zu schieben (LE MONDE; LE FIGARO).
Im Editorial titelt LE MONDE nur noch mit “bescheidenem Sieg” des Rates. Sarkozy habe es sich jedoch nicht nehmen lassen, die entscheidende Rolle Frankreichs beim Einigungsprozess zu demonstrieren.
LIBÉRATION bewertet die Überzeugung Polens als “deutsch-französisches” Verdienst, wobei Staatspräsident Sarkozy den Guten und Bundeskanzlerin Merkel die Böse gespielt habe. Die übrigen Blätter bewerten Sarkozys Selbstdarstellung weniger kritisch und unterstreichen vielmehr selber, dass Frankreichs Entwurf eines “traité simplifié” und sein Beitrag zur Überzeugung Polens zumindest mitentscheidend für den erfolgreichen Ausgang des Gipfels gewesen seien (LE FIGARO vom 23./24.6; Interview mit dem ehemaligen Minister für Soziales Jack Lang in LIBÉRATION, der die exzellente Arbeit Sarkozys lobt; FIGARO: “Der glücklichste Gipfelteilnehmer: Sarkozy!”). Ferner sei von allen Gipfelteilnehmern seine unermüdliche Verhandlungsausdauer gelobt worden (so LIBÉRATION). LIBÉRATION gibt der Einigung im Editorial den Namen “Vertrag Frankenstein”, der zwar undurchsichtig und etwas zusammengebastelt erscheine, im Ergebnis jedoch etwas bewirke. Großbritannien sei der wahre Gewinner des Gipfels (LIBÉRATION).
Merkel-Portrait von Pierre Bocev (Berlinkorrespondent des FIGARO), der der Meinung ist, Merkel müsse eine Zwillingsschwester haben, da ihr nationales Engagement nichts mit ihrer Energie auf dem internationalen Parkett gemeinsam habe.

LE MONDE berichtet, dass Washington Sarkozys und Kouchners Initiative zur Darfur-Konferenz, bei deren Verhandlungen Condoleezza Rice einen wichtigen Platz einnehmen werde, begrüße. Jedoch habe Sarkozys Vorpreschen in der Darfour-Krise Bush unter Handlungsdruck gesetzt. LIBÉRATION bewertet die Organisation der Konferenz als den ersten Erfolg Kouchners, wenngleich heute keine Ergebnisse zu erwarten seien.

Thema in allen Blättern ist das Fernbleiben von Ségolène Royal vom Conseil National der PS und der Erfolg Hollandes. LIBÉRATION meint Royal übernehme innerhalb der PS die Oppositionspartei. LE FIGARO ist der Auffassung, innerhalb der PS formiere sich eine Anti-Royal-Fraktion.

I. Ü. steht im Mittelpunkt der innenpolitischen Themen die angestrebte Neuorganisation der Universitäten. Hinsichtlich der Hochschulreform konstatiert LE MONDE, dass die Universitäten (mit Ausnahme der großen Fakultäten in Paris, Lyon, Marseille etc.) nicht ausreichend ausgestattet seien, um die von Pécresse favorisierte Liberalisierung erfolgreich umzusetzen und dass die Quasi-Abschaffung des Centre National de la Recherche Scientifique hierzu geradezu kontraproduktiv sei.

Ein Kommentar zu “EU-Gipfel dominiert Titelseiten der Presse”

  1. Stefan
    25. Juni 2007 20:51
    1

    Angela Merkel nackt, allerdings nur als Fotomontage einer polnischen Zeitung.

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