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Jacques Chirac wirft das Handtuch

chirac.jpgDer französische Präsident Jacques Chirac (Foto) gibt auf. Er werde bei der Wahl am 22. April nicht wieder kandidieren, erklärte der 74 Jahre alte Chirac am Sonntag abend im Fernsehen. Damit geht eine Ära in Frankreich zu Ende.
Chiracs Chancen auf eine Wiederwahl waren ohnehin gering. In Umfragen hatte er teilweise nur fünf Prozent der Stimmen erhalten. Seine Partei UMP hatte Innenminister Nicolas Sarkozy zum Kandidaten erkoren.
Chirac war seit 1995 Präsident von Frankreich. 1997 hatte er aus freien Stücken die Nationalversammlung aufgelöst und die Wahl verloren. Er musste fünf Jahre mit dem sozialistischen Premier Lionel Jospin regieren. 2005 verlor er eine Volksabstimmung zur Europäischen Verfassung.
Als erstes hatte Chirac 1995 die französischen Atombomben-Explosionen im Pazifik wieder aufgenommen, bis er sie dann doch endgültig stoppte. Zusammen mit Bundeskanzler Gerhard Schröder widersetzte er sich dem US-Krieg im Irak.

Chirac erkannte als erster französischer Staatsmann eine Mitschuld Frankreichs an den Juden-Deportationen während der Nazi-Besetzung des Landes an.
Bereits 1974-76 war Chirac Premierminister, ebenso von 1986-88. 1972-74 war er Landwirtschaftsminister, danach kurzzeitig Innenminister. Schon im Mai 1967 war er Staatssekretär im Arbeitsministerium.

Vor genau 30 Jahren, im März 1977, wurde er zum Bürgermeister von Paris gewählt, ein Amt, das er bis 1995 innehatte. In diese Zeit fielen zahlreiche Korruptionsskandale. In Frankreich war gespottet worden, Chirac werde dieses Jahr vielleicht ein drittes Mal zur Wahl antreten, um seine Immunität zu erhalten.

Fast genau auf den Tag vor 40 Jahren, am 12. März 1967, war er im Département Corrèze im Zentralmassiv erstmalig zum Abgeordneten in die Nationalversammlung gewählt worden.

cjeun.jpg Chirac (Foto: als Student) hatte wie so viele französische Politiker studiert am Institut d’Etudes Politiques und von 1957-59 an der Kaderschmiede Ecole Nationale d’Administration. Zuvor hatte er im Algerienkrieg gekämpft.
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