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Wahl bestimmt Berichterstattung in Frankreich

Die Aufmacher der Montagspresse werden von der Präsidentschaftswahl dominiert, jedoch mit unterschiedlichen Akzenten. Das berichtet die deutsche Botschaft in Paris.

Hier die Titel: LE MONDE: “Nicolas Sarkozy geht über zur Gegenoffensive”; LE FIGARO: “Sarkozy: ‘Ich bin der Kandidat des Volkes, nicht des Apparates’”; LIBÉRATION: “Die Zielgerade in der Mitte”; LA CROIX: “Was sie über Europa sagen”; L’HUMANITÉ: “Vom Sozialen am Urnenboden”;

Die Fernsehdebatte zwischen Ségolène Royal und François Bayrou findet folgende Titel: LE FIGARO:  “Royal und Bayrou zwischen Einigkeit und Uneinigkeit”. Das bezieht sich auf Gesprächsverlauf, der sehr hochgespannte Erwartungen - Typ Wahlbündnis - nicht erfüllen konnte, dennoch aber Royal und Bayrou vor einer großen Öffentlichkeit in freundschaftlichem Dialog gezeigt hat. Bayrou habe Royal nicht gerade eine “Blankovollmacht” erteilt.
Gaëtan de Capèle schreibt im FIGARO, “unter der Mantel der Aufklärung der Franzosen haben Royal und Bayrou ihre Zeit und Energie in eine unglaubwürdige Pseudo-Debatte investiert”.

Beide, so Alain-Gérard Slama im FIGARO, hätten das gemeinsame Ziel verfolgt, die Einsamkeit und die Intoleranz des UMP-Kandidaten zu betonen Weiter schreibt Gérard Slama, Royal und Bayrou befürworteten das Verhältniswahlrecht. Dieses übe aber gerade permanenten Druck durch Rand-Minderheiten aus oder aber das zwinge Zusammenschlüsse in der Mitte. Deshalb schütze es die Gesellschaft weniger gut vor Machtmissbrauch als die Polarisierung durch das Mehrheitswahlrecht, denn diese zwinge einen Präsidenten aus der Mitte heraus zu regieren.

LIBÉRATION druckt die komplette Diskussion zwischen Royal und Bayrou ab.

LE MONDE und LE FIGARO erwähnen erneut, Ségolène Royal habe das Problem, sie müsse ihre Partei schonen und Linke auf ihrer Seite halten, die von ihren Lockrufen an die Mitte irritiert seien. Philippe Martin (Politologe) in LIBÉRATION: Royal zeige ihre Unabhängigkeit von Ideologen ihrer Partei und beweise Pragmatismus, was unentbehrlich sein werde, falls sie die Wahl gewinne. Die Linken und Zentristen könnten einen Konsens über wirtschaftspolitische Reformen finden, der die Geburt einer französischen Sozialdemokratie beschreiben könne.

Laut LE MONDE hat Nicolas Sarkozy am letzten Freitag, 27. April, den “verletzten Mann” gespielt. Er habe sich als “Stimme des Volkes” und “der Hart-Arbeitenden” bezeichnet, der “von den Eliten geschmäht” werde; Ségolène Royal habe er “die Kandidatin der Parteien, der Kombinationen und der Medien” genannt. LE FIGARO schreibt, Sarkozy habe sich offen an UDF-Mitglieder gewandt, die “jetzt, wo Bayrou der UDF ein Ende macht, herzlich willkommen in der Präsidentschaftsmehrheit” seien.
LA CROIX und LE FIGARO berichten, von 29 UDF-Abgeordneten hätten sich bereits 20 für Sarkozy ausgesprochen. François Fillon betont im Interview mit LE FIGARO die Übereinstimmungen der wirtschaftspolitischen Konzepte zwischen UMP und UDF.

LE FIGARO: Sarkozy bezeichne die Debatte zwischen Royal und Bayrou als “Karikatur der vierten Republik“. Sarkozy bezeichne das öffentliche Treffen zwischen Royal und Bayrou als Zeichen einer “schmutzigen Vision von Politik” und betont erneut, Bayrou sei im ersten Wahlgang ausgeschieden und habe damit kein Recht, sich so intensiv in die Öffentlichkeit zu drängen. Auch die Beleidigungen, die Sarkozy von Seiten Royals ertragen müsse (”gemein”, “brutal”) brächten ihn nicht davon ab, seine Gegnerin respektvoll zu behandeln und eine öffentliche Debatte mit ihr abzuhalten. Sarkozy positioniere sich als der verletzte und dennoch aufrichtige Mann.

LE MONDE schreibt, Sarkozy habe der Linken vorgeworfen, sie sei immer noch auf dem Stand vom Mai 1968. Sie habe seitdem immer nur “Unterstützung, Egalitarismus, Gleichmacherei und die 35-Stunden-Woche” propagiert.

LES ECHOS schreibt, dass sich außerdem zwei Machtkonzepte gegenüberstünden: Sarkozy wolle ein “eigenverantwortlicher Schiedsrichter” sein, Ségolène Royal eine Präsidentin der “Nähe” und der “geteilten Macht”.

Außerdem gibt es einen Aufruf linker Intellektueller in LIBÉRATION, “für Ségolène Royal und gegen Nicolas Sarkozy” zu stimmen.

LA CROIX schreibt, bisher sei kaum über das schwache Abschneiden der Europa-Gegner bei der Wahl geredet worden. Waren die “Neinsager” von 2005 noch 55%, so seien sie bei dieser Wahl auf 20% geschrumpft. Dennoch sei es vermessen, diese Tatsache als Erfolg Europas zu bezeichnen. Es liege am nächsten Staatschef, das “Abenteuer Europa” energisch weiter zu verfolgen. Beide Finalisten seien jedoch gewillt, einige “europäische Dogmen durcheinander zu bringen”: z.B. freien Binnenhandel, Unabhängigkeit der Europäischen Zentralbank. LA CROIX: “Der Euro, die Verfassung und ein europäischer Mindestlohn seien vor dem zweiten Wahlgang ein Schlachtfeld zwischen Royal und Sarkozy geworden.

Ein Kommentar zu “Wahl bestimmt Berichterstattung in Frankreich”

  1. dieta personalizata
    30. März 2011 07:57
    1

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